Wo sich die Schönen und die Biester „Ciao Ciao“ sagen

„Ciao Ciao“ des Theaterzauberers Martin Zimmermann im Basler Schauspielhaus ist eine hinreissende Groteske voller Absonderlichkeiten, die schöner kaum sein könnte. Mit dem Begriff „schräg“ wird man dem Geschehen auf der Bühne des Basler Schauspielhauses nicht gerecht. Dieser Abend ist abgefahren, grotesk, schrill, fällt aus dem Rahmen, ist alles andere als geradlinig. Es ist ein Teil des wunderbaren Zirkus-Tanz-Theater-Kosmos von Martin Zimmermann, der für diesen 2021 … Wo sich die Schönen und die Biester „Ciao Ciao“ sagen weiterlesen

Traumspielereien in der Gutelaune-Psychoanalyse

Das Theater Basel setzt mit dem Musical „Lady in the Dark“ von Kurt Weill auf das Erfolgsteam, das vor vier Jahren mit „Der Käfig voller Narren“ einen grandiosen Erfolg eingefahren hatte – und kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Man muss beinahe zwei Stunden warten, bis sich der Abend aus der ästhetisch aufgemotzten, aber inhaltlich dahinplätschernden Seichtheit befreien kann: dann wenn Stefan Kurt als Verlagsleiter … Traumspielereien in der Gutelaune-Psychoanalyse weiterlesen

Eine musikalische Anklage, die unter die Haut geht

Die Group 50:50, ein Kollektiv von darstellenden Künstlerinnen und Künstlern aus dem Kongo, der Schweiz und Deutschland, beschwört tänzerisch und musikalisch die Wiedergutmachung von Untaten aus der Kolonialzeit, die auch auf das Konto der damals sekundierenden Schweiz geht. Es ist eine fulminante, charmante, ja zuweilen fast heitere Anklage, die aber tief unter die Haut geht. Sie singen wieder und wieder: „Wir warnen euch: Die Tage … Eine musikalische Anklage, die unter die Haut geht weiterlesen

Christoph Marthaler dekonstruiert am Theater Basel den „Freischütz“

Von der schunkelnden Jäger-Romantik bis zum höllischen Jammertal: Regiestar Christoph Marthaler dekonstruierte am Theater Basel Carl Maria von Webers urromantisches Opernmärchen „Der Freischütz“. Der Text wurde für die Nachrichtenagentur Keystone-SDA verfasst und kann unter anderem hier nachgelesen werden. Christoph Marthaler dekonstruiert am Theater Basel den „Freischütz“ weiterlesen

Kapitalismus-Kinderstunde im Barock-Dekor

Theater-Haudegen Bonn Park führt das Publikum im Basler Schauspielhaus mit «Phönix aus der Währung» in den Panic Room der Grossfinanz und lässt es am Ende ziemlich ratlos zurück. Zuerst ein grosses Lob. Dieses gilt der Bühnenbildnerin Julia Nussbaumer, der Kostümbildnerin Sina Manthey und den Werkstätten des Theater Basel: Sie haben eine wundervolle, barocke Prachtwelt auf die Bühne des Schauspielhauses gezaubert, als ginge es darum, Molière … Kapitalismus-Kinderstunde im Barock-Dekor weiterlesen

Ein Theaterabend wie ein Rubik-Würfel

Mit „Los Años“ erlebte das Theaterfestival Basel im Schauspielhaus des Theater Basel einen ungemein vielschichtigen Auftakt Das Stück ist Zeitmaschine, ein Psychogramm eines (anders verlaufenden) Lebens, eine Beziehuungs-Tragikomödie zwischen Vater und Tochter und eine satirisch angehauchte philosophische Abhandlung über Eigennutz und Empathie im zivilisierten urbanen Raum. „Los Años“ des argentinischen Autoren und Regisseurs Mariano Pensotti ist kein Stück zum Zurücklehnen. Es fordert die Zuschauerinnen und … Ein Theaterabend wie ein Rubik-Würfel weiterlesen

„Ich befinde mich seit 20 Jahren in einem weltweiten Dialog“

Am 24. August begann das Theaterfestival Basel. Es wird die letzte Ausgabe unter der Leitung von Sandro Lunin sein. Das Programm ist geprägt vom künstlerischen Nord-Süd-Dialog, was sich in der Zusammensetzung des Teams der Kuratorinnen und Kuratoren zeigt. Die Covid-19-Pandemie ist noch nicht wirklich vorbei, in Europa herrscht ein brutaler Krieg. Wie sehr beeinflusst das einen Festivalleiter bei der Zusammenstellung eines Programms? Das beeinflusst das … „Ich befinde mich seit 20 Jahren in einem weltweiten Dialog“ weiterlesen

Atemlos durch die Stadt

Mit «Dämonen» führen Boris Nikitin und Sebastian Nübling zusammen mit einem fulminant aufspielenden Ensemble das Basler Theaterpublikum mitten in den unbarmherzigen Irrlauf des Coming of Age. Der Theaterabend dauert über drei Stunden. Aber es handelt sich eigentlich gar nicht um einen richtigen Theaterabend, denn die Spielerinnen und Spieler stehen nicht (respektive erst ganz am Schluss) auf der Bühne. Zu erleben sind sie auf einer grossen … Atemlos durch die Stadt weiterlesen

Und eine Buddel voll Rum: Die Geschichte des Dreispitz’ wird zum Leben erweckt

Das Projekt «Freizone Dreispitz reloaded» von Recycled Illusions ist ein packender Audio-Video-Walk und eine faszinierende Geschichtsstunde zugleich. Wissen Sie, wie der bekannte hochprozentige jamaikanische Rum Coruba zu seinem Namen kam? Auf dem Parcours «Freizone Dreispitz reloaded» ist es zu erfahren (und das Produkt auch noch zu degustieren). Das ist ein Teil der Vergangenheit des Freilagers Dreispitz, das einst aus dem Landgut Christoph Merians eine zollmässig … Und eine Buddel voll Rum: Die Geschichte des Dreispitz’ wird zum Leben erweckt weiterlesen

Horrortrip durch die Hölle der putzigen Mittelstands-Welt

Regisseurin Sahar Raimi serviert die Uraufführung des Stücks „Milf“ der Hausautorin Anne Haug als überkandidelter Reminiszenz-Reigen an Horrorfilm-Klassiker. Die drei püppchenhaften Mädchen beherrschen die Ballettposen perfekt. Und wenn die Arme mal einen Zentimeter zu wenig weit oben sind, wenn das Lächeln zu erlischen droht, ist sogleich die Mutter zur Stelle, die dem Publikum das Lebendbild ihrer drei hochputzigen Töchterchen auf laszive Art feilbietet wie Sexpüppchen … Horrortrip durch die Hölle der putzigen Mittelstands-Welt weiterlesen