Besuch der alten Dramenfiguren

Kann man Dürrenmatts „Die Physiker“ heute noch aufführen? Nicht wirklich, findet das Basler Schauspielensemble – und tut es doch: als witzig hintertriebenes und doch ernsthaftes Museums-Stück. Man könnte die Basler „Physiker“ als lebendes Pamphlet gegen das vielgescholtene Regietheater zu beschreiben versuchen – schliesslich hat doch der grosse Autor und Theatermann Friedrich Dürrenmatt höchstselbst im Programmheft zu seiner eigenen Inszenierung seiner „Physiker“ elf Jahre nach der … Besuch der alten Dramenfiguren weiterlesen

Neues Theater auf wundersamen Abwegen

Wenn Blutegel den Ablauf diktieren und sich ein Pas de deux aus Knall und Rauch entwickelt, dann befindet man sich abseits des realen Lebens. Oder an den Basler Treibstoff-Theatertagen, die im Theater Roxy in Birsfelden mit zwei wundersam originellen Projekten ihren Auftakt genommen haben. „Immer bei unserem Lieblingsteil …“, beklagt sich Denis Wagner, Kopf, Performer und Primus inter Regie-Pares der Theatertruppe Wagner-Bauer-Young. Ja, wir hätten … Neues Theater auf wundersamen Abwegen weiterlesen

Tanz und Gloria

Mit „Gloria“ zeigt das Basler Ballett-Ensemble einen getanzten Bilderreigen des ewigen Kreislaufs von Aufstieg und Zusammenbruch – zusammen mit Direktor Richard Wherlock, der als trauriger Narr selber auf der Bühne präsent ist. Dass das Basler Ballett zeitgenössischen Tanz auf überzeigende Weise mit Barockmusik in Einklang bringen kann, hat es mit Purcells „The Fairy Queen“ 2012 und Vivaldis „Juditha triumphans“ 2015 bereits bewiesen – zumal mit … Tanz und Gloria weiterlesen

Unggle Beat und das Jammertal der Agglomerations-Gegenwart

Antú Romero Nunes versetzt Tschechows «Onkel Wanja» auf Schweizerdeutsch in den realen und selischen Lockdown Agglomerations-Gegenwart. Kann das funktionieren? Ja. Und wie. „Onkel Wanja“ ist wohl eine der bittersten Tragikomödien, die Anton Tschechow geschrieben hat. Auf dem bei ihm üblichen russischen Landgut ist die gewohnt frustrierte Gesellschaft versammelt, die einander nichts mehr zu sagen hat und doch in einer Mischung von Selbstmitleid, Larmoyanz, Verachtung und … Unggle Beat und das Jammertal der Agglomerations-Gegenwart weiterlesen

«Mein ganzes Leben wurde immer wieder zerfetzt»

Am Mittwoch hat sich die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer im Namen der Regierung für „fürsorgerische“ Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen von Kindern im Kanton entschuldigt. Und sie hat ein erstes Mahnmal für die „nicht nachvollziehbaren“ Massnahmen von damals eingeweiht. Für die „Tageswoche“ hatte ich 2018 einen Schwerpunkt zum Thema verfasst – unter anderem mit den Erinnerungen von Paul Richener, der an der besagten Einweihung zugegen war. Die … «Mein ganzes Leben wurde immer wieder zerfetzt» weiterlesen

Theater Basel spielt mit Rarität von Richard Strauss wieder live

Mit der Opern-Komödie „Intermezzo“ von Richard Strauss hat das Theater Basel den Live-Spielplan wieder aufgenommen. In seiner Inszenierung überzeugte der ebenso gefeierte wie berüchtigte Slapstick-Berserker Herbert Fritsch mit einer höchst stimmigen Personenführung. Keystone-SDA Direct – Volltext Das grosse Haus des Theater Basel war am Donnerstag ausverkauft. Eine überragende Marketingleistung des Dreispartenhauses war hierfür nicht nötig, denn die bundesrätlichen Schutzmassnahmen haben eine Obergrenze von 50 Zuschauerinnen … Theater Basel spielt mit Rarität von Richard Strauss wieder live weiterlesen

Olafur Eliasson lässt den Park in die Fondation Beyeler fliessen

Olafur Eliasson lässt den Innen- und Aussenraum der Fondation Beyeler in Riehen ineinanderfliessen: Für seine raumübergreifende Inszenierung „Life“ liess er die Glasfront des Museumsbaus zum Park entfernen und den Seerosenteich in den Bau quellen. Eine Ausstellung im herkömmlichen Sinn ist es sicher nicht – im Gegenteil: Der vordere Teil der Fondation Beyeler wurde für „Life“ leergeräumt. Der Begriff Installation greift ebenfalls zu kurz, es ist … Olafur Eliasson lässt den Park in die Fondation Beyeler fliessen weiterlesen

Diese Bildnisse sind verzaubernd schön

Das Theater Basel präsentiert eine ebenso wundervoll inszenierte wie gesungene „Zauberflöte“, die das Zeug zum grossen Renner hätte – wenn das Publikum bloss die Möglichkeit hätte, die Bude einzurennen. Das mit Mozarts „Zauberflöte“ ist so eine Sache. Auf der einen Seite ist es die fantastische Musik, welche diese Oper zurecht zu einer der beliebtesten und populärsten werden liess. Und dann ist da die Geschichte, die … Diese Bildnisse sind verzaubernd schön weiterlesen

Über allem schwebt das eau d’âge

Die unverwüstlichen Reines Prochaines haben es von den Off-Sphären auf die grosse Opernbühne geschafft. Mit „Alte Tiere hochgestapelt“ präsentieren sie auf der Grossen Bühne des Theater Basel eine Revue-Hommage an das Alter – leider gegenwärtig coronabedingt fast ohne Publikum. Angesagt ist eigentlich eine Adaption des berühmten Märchens der Bremer Stadtmusikanten. Darauf deutet auch der Titel „Alte Tiere Hochgestapelt“ hin, wie die Reines Prochaines „& Friends“ … Über allem schwebt das eau d’âge weiterlesen

Ein gekröpfter „Don Karlos“ durch die Klassikermaschine gedreht

Die Einpersonen-Version von Schillers dramatischem Gedicht hört nach etwas mehr nach einer halben Stunde unvermittelt auf. Ein bisschen schade, denn ich hätte der Klassiker-Nummer des Schauspielers Fabian Dämmich gerne noch ein bisschen länger zugeschaut. Eigentlich hätte das Theater Basel Mitte November sein Foyer public machen, also den riesigen Vorraum unter dem geschwungenen Betondach als Indoor-Platz für alle öffnen wollen. Das geht nun aber wegen dieser … Ein gekröpfter „Don Karlos“ durch die Klassikermaschine gedreht weiterlesen