Verqueert und zugedröhnt

Die Regisseurin Pinar Karabulut wird vom Theater Basel als Spezialistin für „moderne, antipatriachale Aneignungen klassischer Stoffe“ vorgestellt. An Dostojewskis „Der Spieler“ ist sie mit diesem Programm grandios gescheitert. Nach der Aufführung bleiben Fragen. Das kann sehr bereichernd sein, wenn Sitiationen, Begebenheiten und Umstände auf hintersinnige und/oder nachhaltig-gescheite Art hinterfragt werden. Aber es kann auch bemühend sein, wenn man die Intention dahinter einfach nicht so richtig … Verqueert und zugedröhnt weiterlesen

Die Schmerzen von einst zart umhüllt

Das Theater Basel lädt auf der Grossen Bühne zur intimen, szenisch umrahmten Schubertschen „Winterreise“. Ein herausragendes Star-Tio rund um Anne Sofie von Otter durchsetzt die grosse schwermütige Wanderschaft mit lichten Momenten. Wer in die diesen schweren Zeiten der Pandemie, im Home Office abgeschottet und ausgeschlossen von den grossen Festivitäten unter Freunden und Freundinnen, die Fähigkeit zu spontanen Trauerausbrüchen verloren hat, dem kann Schuberts „Winterreise“ vielleicht … Die Schmerzen von einst zart umhüllt weiterlesen

Ulysses Irrweg führt indirekt ins theatrale Nirvana

Der New Yorker Theatermann John Collins versucht am Theater Basel das Unmögliche, James Joyce Urmonstrum der literarischen Moderne mit dem Titel „Ulysses“ zu dramatitisieren und gelangt mit einem hervorragenden Ensemble zum Resultat, dass dies eben unmöglich ist. Es lohnt sich, die 120 Minuten durchzuhalten, sich durchzukämpfen, um den Schluss nicht zu verpassen. Dann, wenn Carina Braunschmidt als Molly Bloom im Kapitel 18 in einem berührenden … Ulysses Irrweg führt indirekt ins theatrale Nirvana weiterlesen

Ulisse senza Ulisse: Oper auf Irrwegen

Regisseur Krystian Lada streicht in der Barockoper „Il ritorno d’Ulisse in patria“ die Titelfigur und ersetzt sie durch eine Gruppe von Basler Männern mit Migrationshintergrund. Das funktioniert inhaltlich nicht, was aber dem musikalischen Erlebnis wenig anhaben kann. Eigentlich hätten sich die Bühnentechniker auch einen Teil des heftigen Schlussapplauses abholen können. Denn sie haben in den über zwei Stunden doch einiges zu schleppen, für längere Zeiten … Ulisse senza Ulisse: Oper auf Irrwegen weiterlesen

Die Familie ist wie ein kollabierender Stern

Das Theater Basel dreht die schaurige Krabat-Sage durch die „Mühle von Saint Pain“. Dieser Theaterabend berührt, amüsiert, verwirrt, langweilt auch mal (aber nur ein kleines bisschen), fasziziniert und lässt einen ein bisschen ratlos zurück. Vor allem aber ermöglich er eine Begegnung mit einer Schauspielerin (Gala Othero Winter), die sich schneidig und mit dem ganzen Spektrum der Gefühle mitten in die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer … Die Familie ist wie ein kollabierender Stern weiterlesen

Besuch der alten Dramenfiguren

Kann man Dürrenmatts „Die Physiker“ heute noch aufführen? Nicht wirklich, findet das Basler Schauspielensemble – und tut es doch: als witzig hintertriebenes und doch ernsthaftes Museums-Stück. Man könnte die Basler „Physiker“ als lebendes Pamphlet gegen das vielgescholtene Regietheater zu beschreiben versuchen – schliesslich hat doch der grosse Autor und Theatermann Friedrich Dürrenmatt höchstselbst im Programmheft zu seiner eigenen Inszenierung seiner „Physiker“ elf Jahre nach der … Besuch der alten Dramenfiguren weiterlesen

Neues Theater auf wundersamen Abwegen

Wenn Blutegel den Ablauf diktieren und sich ein Pas de deux aus Knall und Rauch entwickelt, dann befindet man sich abseits des realen Lebens. Oder an den Basler Treibstoff-Theatertagen, die im Theater Roxy in Birsfelden mit zwei wundersam originellen Projekten ihren Auftakt genommen haben. „Immer bei unserem Lieblingsteil …“, beklagt sich Denis Wagner, Kopf, Performer und Primus inter Regie-Pares der Theatertruppe Wagner-Bauer-Young. Ja, wir hätten … Neues Theater auf wundersamen Abwegen weiterlesen

Tanz und Gloria

Mit „Gloria“ zeigt das Basler Ballett-Ensemble einen getanzten Bilderreigen des ewigen Kreislaufs von Aufstieg und Zusammenbruch – zusammen mit Direktor Richard Wherlock, der als trauriger Narr selber auf der Bühne präsent ist. Dass das Basler Ballett zeitgenössischen Tanz auf überzeigende Weise mit Barockmusik in Einklang bringen kann, hat es mit Purcells „The Fairy Queen“ 2012 und Vivaldis „Juditha triumphans“ 2015 bereits bewiesen – zumal mit … Tanz und Gloria weiterlesen

Unggle Beat und das Jammertal der Agglomerations-Gegenwart

Antú Romero Nunes versetzt Tschechows «Onkel Wanja» auf Schweizerdeutsch in den realen und selischen Lockdown Agglomerations-Gegenwart. Kann das funktionieren? Ja. Und wie. „Onkel Wanja“ ist wohl eine der bittersten Tragikomödien, die Anton Tschechow geschrieben hat. Auf dem bei ihm üblichen russischen Landgut ist die gewohnt frustrierte Gesellschaft versammelt, die einander nichts mehr zu sagen hat und doch in einer Mischung von Selbstmitleid, Larmoyanz, Verachtung und … Unggle Beat und das Jammertal der Agglomerations-Gegenwart weiterlesen