Das Bühnenprojekt „Die weisse Madonna von Einsiedeln“ auf der Kleinen Bühne des Theater Basel wartet mit originellen inhaltlichen Ansätzen auf, funktioniert aber als Theaterabend nicht.

Der Beginn spricht an – zumindest aus dem Blickwinkel einer satirischen Schweiz-Karikatur. Ein hunger Mann mit Namen Tarik Berger erscheint in Einsiedeln. Er hat den Auftrag, die von einem jungen afghanischen Asylbewerber lädierte Figur der berühmten Schwarzen Madonna zu restaurieren. Das Dorf Einsiedeln ist menschenleer, weil alle Bewohnerinnen und Bewohner hinter ihren Fenster mit dem Sturmgewehr dem Einsiedler Wolfsrudel auflauern, das zum Abschuss freigegeben worden ist.
So viel zur Schwarzen Madonna, die ursprünglich ja mal weiss gewesen, nun aber tunlichst schwarz bleiben soll. Im Titel ist nun aber von der „Weissen Madonna von Einsiedeln“ die Rede. Klar, wer damit gemeint ist: Das Aushängeschild der deutschen Rechtsaussenpartei AfD, die in Einsiedeln lebt. In einer queeren Partnerschaft mit ihrer Frau aus Sri Lanka und deren Kindern.
Den Text, der im Programmflyer mit den Stichworten „Verdrehung“, „Welle“ und „Tatsachen“ umschrieben wird, stamm von den gestandenen Spoken Word-Artist:innen Laurin Buser und Fatima Fatima Moumouni. Auf der Bühne stehen mit Carina Braunschmidt, Kay Kysela und Bärbel Schwarz drei hochgeschätzte Mitglieder des Basler Schauspielensembles.
Eine vielversprechende Ausgangslage: Ein Muslim soll das reparieren, was zuvor ein Muslim beschädigt hat. Eine schwarze Madonna, die nicht zu ihrem ursprünglichen Weiss zurückkehren darf. Eine weisse Madonna, die bei den einen als rechtsextreme deutsche Politikerin, bei anderen wiederum als Frau, die in einer queeren Multikulti-Partnerschaft lebt, aneckt. Und nicht zuletzt die Frage: „Warum fühlen sich Rechtsextreme in der Schweiz so wohl?“
Ins wirre Deklamations-Aus geführt
Das ist eine Überfülle an mehr oder weniger zusammenhängenden Themen, das bei einem wilden Slam Poetry-Vortrag funktionieren könnte. Aber ein Theaterstück ist es nicht. Abgesehen vom szenischen Einstieg fehlt es an einem nachvollziehbaren Handlungsstrang oder entsprechenden Strängen. Das dreiköpfige Ensemble wird – mal mit Mikrofon, mal ohne – ins mehr oder weniger wirre Deklamations-Aus befördert.
Beziehungsweise ins Deklamations-Off. So zumindest erscheint das Inszenierungskonzept von Regisseurin Patricija Katica Bronić, die grosse Teile des Textes aus dem Off oder genauer hinter einer stilisierten Bergflanke, die weit in die Bühne hineinragt, sprechen lässt. So kommt es, dass bei langen Passagen einzig die im Bühnenhimmelschwebende Organistin Marianna Angel zu sehen ist.
Der nicht ganz anderthalb Stunden dauernde Abend ist nicht wirklich langweilig. Die vom Spoken Word-Duo geschriebenen Texte sind zumindest zeitweilig wirklich originell und treffend. Aber unter dem Strich bleibt das Gefühl einer verpassten Chance. Und die Frage, warum sich Rechtsextreme in der Schweiz so wohl fühlen, bleibt unbeantwortet.
