Hinreissende Audienz bei den unverwüstlichen Königinnen

«Let’s Sing Arbeiterin!»: Les Reines Prochaines laden in der Kaserne Basel zur mitreissenden Geburtstagsgala.

Die bunte Truppe von Les Reines Prochaines und Freund*innen in schwarzweiss. (Foto: Lucas Acton)

Die Vorstellung, 30 Jahre am selben Ort dasselbe zu machen, sei ihr früher wie ein Grauen vorgekommen, sagt Fränzi Madörin, wunderbare Freestyle-Talkerin im Quartett der Reines Prochaines. Und jetzt feiere man den 30. Geburtstag einer Band, die es noch immer gebe. «Und das ist eigentlich ganz schön so.»

Ein Glück, dass es das ist. Dass die Frauen, die sich einst in der Kunstgewerbeschule (so hiess das damals) kennengelernt haben, noch immer aktiv auf der Bühne stehen und zusammen Musik machen, tanzen, philosophieren. Les Reines Prochaines, das sind heute neben Madörin Muda Mathis, Michèle Fuchs und Sus Zwick. Zusammen mit einer ganzen Reihe an «Freund*innen» laden sie nun zur grossen Geburtstagsgala. Zu einer hintersinnigen, herrlich ironischen, gleichzeitig aber auch tiefschürfenden Revue nach dem Motto: «Von der Ideologie zur Choreografie».

Alte und neue Freund*innen

Die «Freund*innen» auf der Bühne der Reithalle der Kaserne Basel heissen Chris Regn und Marcel Schwald, die zusammen mit den künftigen Königinnen für Konzept und Regie verantwortlich sind, sowie Lucas Acton, Sibylle Aeberli, Sibylle Hauert, Chris Hunter, David Kerman und Dorothea Schürch.

Die «Freund*innen» sitzen aber auch auf der vollbesetzten Zuschauertribüne. Wer an der Premiere nicht zu den langjährigen Fans gehörte – was wohl nur sehr wenige waren –, ist es nach den zwei Stunden sicher geworden.

«Let’s Sing Arbeiterin!» nennen die Königinnen sinnigerweise ihr Jubiläumsprogramm. Zu erleben ist ein Rückblick auf 30 Jahre künstlerischen Klassenkampf – mit einer wunderbaren Selbstironie aufgebrochen. Wir hören das Lied über die »Privilegien», über den «Individualismus» über den «Postkommunismus». Wir erfahren, wie Kommunen funktionierten (oder eben nicht), wie der Kapitalismus die Kraft raubt, wie man bzw. frau zur «Halbwisserin» wird und und und.

Es sind wundervoll hintersinnige Texte, die musikalisch mit dem gewohnten Schmiss hingefegt werden – in einem Stil-Patchwork, der von der Italowestern-Hymne à la Morricone fliessend in ein Arbeiterinnenlied übergehen kann, der vom Post Punk bis zum Balkan-Brass-Sound reicht. Das alles dargebracht in einer wunderbaren Mischung aus erfrischendem (aber höchst präzise choreografierten) professionellem Dilettantismus und gebrochener Genialität.

Les Reines Prochaines feiern ihr Jubiläum noch bis zum 27. Januar. Das Fest sollte man sich nicht entgehen lassen.

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