1000 Stunden im Theater und noch mehr: Mein Leben mit der TagesWoche

Das wars. Heute geht die letzte Printausgabe der TagesWoche in Druck. Ich habe meinen letzten Text geschrieben. Eine Situationsbeschreibung.

Diese Kolleginnen und Kollegen werde ich sehr vermissen.

Noch einmal die kurze Fahrt mit dem Velo an die Spitalstrasse, ab in den Velokeller und die Treppe rauf in den ersten Stock.

Es sind noch fast alle da, die Produzenten der letzten Printausgabe, auch die Redaktionskolleginnen und -kollegen, die ihre Texte für die letzte Nummer bereits abgegeben haben. Auch ich. Noch einmal einen Text über Zwischennutzungen. 32 Texte habe ich zu diesem Thema verfasst, geht aus der Schweizer Mediendatenbank (SMD) hervor.

Wenn wir gerade bei Zahlen sind:

  • 1645 Beiträge habe ich für die TagesWoche geschrieben. (Der erste war am 4. November 2011 ein Interview mit Werner Düggelin.)
  • 192 Einträge findet die SMD unter dem Stichwort «Grosser Rat». Ich habe geschätzte 200 Stunden als Berichterstatter im Grossratssaal verbracht.
  • 343 Einträge sind es beim Stichwort «Theater». Gut 1000 Stunden sass ich für die TagesWoche im Theater.
  • 226 Einträge sind es beim Stichwort «Museum», das ergibt über 800 Stunden in den Museen.
  • 70 Einträge spuckt die SMD bei Stichwort «Parkplätze» aus. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mit mehr gerechnet.

Und jetzt?

«Rettet Basel» möchte neu nicht mehr Basel retten, sondern die TagesWoche. Oder so etwas in der Art. Der Verein hat deswegen einen Offenen Brief an die Stiftung für Medienvielfalt verfasst. Darin heisst es unter anderem:

Wir möchten das neue Aktionariat der Neuen Medien Basel AG werden und die technische Infrastruktur der Online-Zeitung TagesWoche übernehmen.

Möchten sie. Dies mit dem Anspruch begründet, dass es ja schliesslich «Rettet Basel» gewesen sei …

aber lest selber:

Die TagesWoche, Sie erinnern sich, war kein Startup von Verwaltungsräten und Journalistinnen. Sie entstand in Folge unseres Aufrufs «Rettet Basel»

Dazu gibt es ein mittlerweile sehr geflügeltes Wort: Fake News.

Aber Schluss damit. Zu retten gibt es hier spontan nichts mehr. Das wusste Kommentarschreiber xy schon lange:

Der Tageswoche-Journalismus im Stil der Herren Spirgi oder Kieslich, der sich vor allem immer nur anbiedert, wird allenfalls mal konterkariert von formal unausgegorenen, nerdigen Teenager-Ergüssen im Stil von Schülerzeitungen. 

Zu bedauern gibt es aber viel. Zum Beispiel die vielen wunderbaren Medienmitteilungen, die wir nicht gebracht haben. Zum Beispiel die von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Freiburg i. Br., die nun wirklich alles vermeldete, was irgendwie geschah:

Im Laufe des Mittwochs, zwischen 8 und 20 Uhr,  wurde versucht in ein Wohnhaus in der Friedrich-Rottra-Straße in  Efringen-Kirchen einzubrechen. Die Täter versuchten eine  Terrassentüre aufzuhebeln, gaben den Versuch jedoch auf. Möglicherweise wurden sie hierbei gestört. An der Türe entstand geringer Sachschaden.

Gut zu wissen.

Aber dann auch die Meldungen, die wir gebracht hätten – nach langem Überzeugungskampf mit den Produzenten. Zum Beispiel die Mitteilung, dass im Schaulager über ein Jahr lang Tinguelys Musikmaschine Méta-Harmonie II  aus dem Jahr 1979 restauriert wurde. Sie laufe jetzt wieder.

Auch schön zu wissen.

Und dann dies: Wir sind nicht allein (leider). Die Abwärtsspirale in der Schweizer Medienlandschaft dreht sich weiter. Die «bzBasel» bzw. die AZ Medien, die eben noch freudig ein Joint Venture mit den NZZ Regionalmedien verkündet haben, vermeldet:

Das Unternehmen CH Media, ein Joint Venture zwischen AZ Medien und NZZ-Regionalmedien, will 200 Vollzeitstellen in den kommenden zwei Jahren streichen. 

Das entspricht zehn Prozent der Stellen. Gar nicht schön zu wissen.

Zum Schluss hier aber noch etwas fürs Gemüt. Wir Mitglieder der aufgelösten Redaktion der TagesWoche denken natürlich bereits sehr aktiv über unsere Zukunft nach. Die obige Meldung deutet darauf hin, dass diese vielleicht nicht nur mehr im Journalismus liegen kann. Aber es gibt Alternativen. Zum Beispiel der Zirkus:

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