Wo sich die Schönen und die Biester „Ciao Ciao“ sagen

„Ciao Ciao“ des Theaterzauberers Martin Zimmermann im Basler Schauspielhaus ist eine hinreissende Groteske voller Absonderlichkeiten, die schöner kaum sein könnte.

Mit dem Begriff „schräg“ wird man dem Geschehen auf der Bühne des Basler Schauspielhauses nicht gerecht. Dieser Abend ist abgefahren, grotesk, schrill, fällt aus dem Rahmen, ist alles andere als geradlinig. Es ist ein Teil des wunderbaren Zirkus-Tanz-Theater-Kosmos von Martin Zimmermann, der für diesen 2021 mit der höchsten Schweizer Theaterauszeichnung, dem Grand Prix Darstellende Künste/Hans-Reinhard-Ring, ausgezeichnet wurde.

Beginnen tut das Ganze aber erst einmal so, wie viele theatrale Zirkusprojekte anfangen: Ein Clown (Aimé Morales) schminkt sein Gesicht, trägt etwas zu viel Puder auf und beginnt vorerst noch zurückhaltend mit ausgewählten Zuschauerinnen und Zuschauern zu flirten. Dann aber beginnt sich das Rad der Verrücktheiten langsam zu drehen. In einem chaotischen Crescendo klettert er halsbrecherisch durch die Reihen des Zuschauerraums, ruft allen noch und noch „Ciao Ciao“ zu, hangelt sich vom Balkon runter und fällt auf die Schnauze, als er sich wieder zurück auf die Bühne bewegt.

Dort auf der Bühne erwacht eine Gruppe von ausgesprochen seltsamen, ja auch etwas angsteinflössenden Gestalten: Eine abgetakelte Fee mit spinnenartig langen Fingern, ein schwarz verschleierter Gnom, eine überkandidelte Clownin, ein potthässlicher alter Mann mit einem Rollator ohne Räder und eine fratzenhaft entstellte Primaballerina, zappeln spastisch über die Bühne.

Mut zur Hässlichkeit

Es handelt sich um fünf Mitglieder des Basler Ballettensembles, die hier einen bewundernswerten Mut zur Hässlichkeit an den Tag leben und so ein grandios-groteskes Panoptikum einer kleinen Monsterwelt ausbreiten.

Und mitten in dieser Gesellschaft erscheint eine Artistin (Eline Guélat), die an einer schwingenden Stange ein Kontorsion-Kabinettstück zeigt, das einem im Zuschauerraum die Sprache verschlägt. Auch der eingangs erwähnte Clown zeigt in einer Einlage mit einem grossen Reifen, was für ein versierter Zirkusartist er ist.

Mit „Ciao Ciao“ schufen Zimmermann und sein ausgesprochen lustvoll aufspielendes Ensemble ein bildstarkes groteskes und poetisches Universum, das einen sogleich in den Bann nimmt und eine Stunde lang nicht mehr loslässt. Eine stringente Geschichte wird nicht erzähl – was eigentlich aussergewöhnlich ist für eine Familienproduktion für Zuschauerinnen und Zuschauer am 6 Jahren.

Aber denen ist das letztlich egal. Und sie lassen sich darauf ein, dass man die hässlichen Gestalten je länger je mehr lieb gewinnt. Und sie feierten zusammen mit den Erwachsenen die Produktion und die Protagonistinnen und Protagonisten zurecht mit jubelndem Applaus.

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