40 Jahre Museum für Gegenwartskunst: Da war doch noch etwas mit dem italienischen Grafen …

Das Museum für Gegenwartskunst wird am 8. Februar 40 Jahre alt. Das Kunstmuseum Basel erinnert in diesem Zusammenhang an einen italienischen Grafen, dessen Kunstsammlung die Initialzündung des Baus war – verliert aber kein Wort darüber, was danach geschehen ist.

Zuerst ein paar Worte zum jubilierenden Haus: Es steht immer noch, kann sich damit rühmen, weltweit das erste Museum gewesen zu sein, das ausschliesslich der Kunst ab 1960 vorbehalten ist. Es ist ein Glanzpunkt Basler Mäzeninnengeschichte – der Bau ist ein Geschenk von Maja Sacher. Und es bietet neben eher spröd-intellektuellen Ausstellungen, wie aktuell mit „Circular Flow“, immer wieder auch wunderbare Sachen, wie die Retrospektive zum Werk von William Kentridge.

Nun also wird das Haus 40. Und das Kunstmuseum erinnert daran, wie es zu diesem Haus kam. Schreibt, dass die Sammlung amerikanischer Nachkriegskunst des italienischen Grafen mit dem schönen Namen Giuseppe Panza di Biumo (1923–2010) Auslöser für die Initiative war. Der Conte soll seine Sammlung dem Museum als Dauerleihgabe angeboten haben, wenn es dieser denn adäquat Platz bieten könne.

Adäquat Platz zu bieten, war aber gar nicht so einfach. Denn in der Sammlung befanden sich zum Teil raumgreifende Arbeiten von Minimal- und Konzeptkünstlern wie Richard Serra, Bruce Nauman, Carl Andre oder Donald Judd. Der damalige Museumsdirektor Franz Meyer war aber als grosser Fürsprecher der amerikanischen Nachkriegskunst in höchstem Masse angetan von der Sammlung, die auch seinen eigenen Ergänzungsvorstellungen entsprach. Er setzte also alle Hebel für ein neues Haus in Bewegung.

Meyer fand in Maja Sacher eine gut betuchte und ausgesprochen kunstsinnige Mitstreiterin. Sacher brauchte für ihre eigene, stark anwachsende Gegenwartskunstsammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung, die dem Kunstmuseum Basel als frei verfügbares Depositum zur Verfügung steht, ebenfalls Platz. Also stellte sie das Geld für den Neubau zur Verfügung, der schliesslich unter der Leitung der Christoph Merian Stiftung nach Entwürfen der Architekten Wilfrid und Katharina Steib erbaut wurde.

Panza-Sammlung reiste nach New York

Doch was geschah nun mit der Sammlung di Panza? Sie wurde erst einmal auf die Warteliste gesetzt. Eröffnet werden sollte das neue Museum am 8. Februar 1980 mit einer Übersichtsschau der Werke der Emanuel Hoffmann-Stiftung. Das war man der Mäzenin natürlich schuldig. Museumsdirektor Meyer schrieb damals. „Danach wird eine Ausstellung aller Werke stattfinden, die Herr Panza zur Verfügung stellt.“

Daraus wurde dann aber nichts. Zwar wurden ausgewählte Werke aus der Sammlung des Grafen zwischen November 1980 und Juni 1981 in einer Sonderausstellung gezeigt, zur Dauerleihgabe kam es nicht. Die Sammlung gelangte Anfang bder 1990er-Jahre zum Teil als Schenkung, aber auch als Ankauf in die Sammlung des Guggenheim Museum New York.

Über das Warum kann viel spekuliert werden. In der „Basler Zeitung“ war anlässlich des 25. Geburtstags zu lesen, dass der Graf zu hohe Ansprüch gestellt haben soll, dass der Kurator der Sammlung seinen Blick schon immer in die USA gerichtet haben soll und dass Basel dem italienischen Grafen der einheimischen Sammlerin und Mäzenin nicht den verdrängenden Vortritt geben konnte.

Dass Basel mit dem Nicht-Einbezug der Panza-Sammlung etwas entgangen ist, davon kann man sich mit einem Blick auf die entsprechende Sammlungs-Website des Guggenheim Museums selber überzeugen. Aber das Kunstmuseum selber und mit ihm die Emanuel Hoffmann-Stiftung sind ebenfalls mit Werken von Judd, Andre, Nauman und co. selber ganz gut bestückt. Das ist schon einmal tröstlich.

Dazu kommt, dass die Gegenwart ja beständig vorrückt und damit die Kunst, die in ihr entsteht. Eine Auswahl davon ist im Jubiläumsjahr im Kunstmuseum Basel – Gegenwart (so nennt sich das Haus neu) in verschiedenen Ausstellungen zu sehen. Unter anderem werden ab November 2020 die Neuzugänge der Emanuel Hoffmann-Stiftung zu sehen sein.

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