Theatralische Wunderwelt im erweiterten Basler Stadtcasino

Die Architekten Herzog & de Meuron haben mit ihrem Erweiterungsbau des Basler Stadtcasinos eine theatralische Wunderwelt erschaffen, die historische und zeitgenössische Stilelemente mutig kombiniert. In frischer Pracht präsentiert sich auch der renovierte Musiksaal.

Von aussen präsentiert sich der neobarocke Palazzo des Musiksaals des Basler Stadtcasinos auf den ersten Blick so, als hätte sich seit seinem Bau im Jahr 1876 nichts geändert. Für den renovierten Hauptbau von Johann Jakob Stehlin trifft dies auch tatsächlich zu. Aber auch beim neuen Erweitungsbau haben sich die Architekten Herzog & de Meuron an den eher schlichten neobarocken Stil des Altbaus gehalten und auf einen zeitgenössischen Kontrast verzichtet.

Von Schlichtheit kann im Inneren des Erweiterungsbaus, in dem das neue zweistöckige Foyer und weitere Nebenräume für das Publikum untergebracht sind, indes keine Rede sein: Beim Betreten dieser Räume erwartet einen ein wahrhaft theatralischer Mix von neobarocken, klassizistischen und zeitgenössischen Stilelementen. Und das in einer Farb- und Materialpalette, die vom dunkelroten Samt über warme Eichenholztöne bis zum hellen polierten Stahl reicht.

„Wir haben die historische Architektursprache mit radikalen zeitgenössischen Elementen vermischt“, sagte Architekt Jacques Herzog am Mittwoch an einer Medienpräsentation des Baus. Die Architekten setzten dabei bewusst auf ein hohes Mass an Theatralik. Das Publikum solle sich als Teil einer Inszenierung fühlen, die dann letztlich in das Konzerterlebnis münde, sagte Herzog.

Jedes Detail selber entworfen

Dabei wurde abgekupfert, wie zum Beispiel bei den dunkelroten Samt-Tapeten in den Treppenhäusern, deren Farbe und Musterung von der alten Pariser Oper übernommen wurden. Sonst wurden alle Elemente, von den individuell gestalteten Säulen der Balustraden über die Türgriffe bis zu den Wandleuchten, von den Archtitekten zum Teil auf Grundlage historischer Entwürfe selber gestaltet.

Auch die knapp 1400 Sitze im renovierten Musiksaal wurden von den Architekten selber entworfen. In diesem Saal mussten sie sich aber mehr oder weniger streng an die Richtlinien der Denkmalpflege halten. Und sie mussten akribisch darauf achten, dass die weltberühmte Akustik des Saals keinen Einbruch erleidet. So wurde der Umbau stets von Spezialisten für Raumakustik begleitet.

Blick in das neue Foyer. (Foto: Casinogesellschaft Basel/Roman Weyeneth)

Im Grossen und Ganzen wurde der mehrfach umgebaute Saal in den Zustand von 1905 zurückversetzt, als neue Stuckaturelemente und die Konzertorgel eingebaut worden waren. Wichtig war es den Architekten, die einst zugemauerten Fenster auf den Steinenberg und das abgedeckte Oberlicht wieder zu öffnen. „Und natürlich musste die Lachsfarbigkeit aus der unsäglichen Renovation in den 1980er-Jahren weg“, so Herzog.

Eröffnungstermin noch nicht gesichert

Seine akustische Feuerprobe mit Orchester und Publikum hat der renovierte Musiksaal noch nicht bestehen können. Noch weiss die Casinogesellschaft als Trägerschaft des Bau nicht, ob und in welcher Form der Musiksaal Ende August wiedereröffnet werden kann. „Wir warten mit grosser Spannung und viel Hoffnung darauf, welche neue Lockerungen der Bundesrat am nächsten Mittwoch verkünden wird“, sagte Christoph Gloor, der Präsident der Casinogesellschaft.

Gloor äusserte sich aber sehr erfreut darüber, dass der Bau nach vier Jahren Renovation- und Neubauzeit termingerecht und im budgetierten Kostenrahmen fertiggestellt werden konnte. Die Baukosten beliefen sich auf 77,5 Millionen Franken. 38 Millionen hatte der Kanton beigetragen, 35 Millionen konnte die Casinogesellschaft an Spenden sammeln.

Dieser Text wurde für die Nachrichtenagentur Keystone-SDA verfasst.

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