Yuppi Dumas: Vier Rampensäue für ein Halleluja

Die Basler Bühnenadaption von «Die drei Musketiere» hat mit Alexandre Dumas‘ Abenteuergeschichte wenig zu tun, bietet aber gerade deswegen höchstes Schauspielvergnügen.

Einer gegen Alle: D’Artagnan (Nicola Mastroberardino) fühlt sich ausgeschlossen. (Foto: Sandra Then)

Endlich geht jemand der Frage nach, warum immer von drei Musketieren die Rede ist, wo es doch vier sind: Athos, Porthos, Aramis und eben d’Artagnan, der eigentliche Star des als Trio betitelten Quartetts. Das fragt sich Letzterer (Nicola Mastroberardino) an diesem zweistündigen Theaterabend auf der Kleinen Bühne immer wieder. Was solle das mit dem Leitspruch «Einer für alle und alle für einen», während er sich selber ausgeschlossen sieht. Rein optisch schon: D’Artagnan hebt sich mit seinem Harlekin-Anzug in Gelbtönen deutlich vom Graublau der anderen, eben der drei im Titel genannten Musketiere deutlich ab.

Einer gegen alle oder alle gegen einen also. Aber eigentlich stehen uns in Antonio Latellas absurd-komischen Spiel mit der berühmten Vorlage von Alexandre Dumas lange Zeit nicht die Musketiere gegenüber, sondern vier Schauspieler, die laut über ihre Rollen als Musketiere nachdenken. Und dafür in die Figuren der Diener schlüpfen. Und die der Pferde. «Keiner von uns spielt einen Musketier», heisst es einmal, «wir spielen alles Mögliche, nur keine Musketiere.»

Sie spielen also alles, gegen sich, gegen alle und den Dumas schlicht an die Wand der gänzlich leeren Bühne. Und eben diese Pferde. «Wollt Ihr die Pferde noch einmal», fragt einer gegen Schluss des Abends, der nicht so richtig zum Schluss kommt («italienische Inszenierung enden nie») ins Publikum. Die Antwort ist ein einhelliges Ja. Und wieder geht’s los mit der Dressur-Reitnummer zum Radetzky-Marsch: ein Kabinettstück an höchst-kunstvoller Albernheit. Hinreissend komisch.

Nur einmal dürfen die Musketiere wirklich Musketiere sein: bei einer spektakulären Fechteinlage alle gegen alle im zweiten Teil des Abends.

Abstrus, albern und grandios

Diese Zeilen zum Theaterprojekt «Die drei Musketiere» mögen ein abstruses Bild vermitteln. Das geht nicht anders. Der Abend ist abstrus, er ist albern und verquer. Aber dies auf absolut grandiose und höchst vergnügliche Art und Weise. Grandios sind die vier Schauspieler (neben Mastroberardino sind dies Michael Wächter, Elias Eilinghoff und Vincent Glander), die zwei Stunden lang die Sau rauslassen, Spielen, Albern, Hampeln, dass man sich im Zuschauerraum staunend fragt, wie die durchhalten können.

Die vier «Drei Musketiere» geben alles.

Und das ohne auch nur einen Moment ins Peinliche überzuschwappen und mit einem Text, der nicht ohne ist. Und durchaus ernsthafte Kommentare zu aktuellen Fragen enthält: etwa warum Männer denn unbedingt immer und immer wieder zum Kampf gegeneinander antreten müssen. Oder wie es umgekehrt in Adriano Celentanos englisch gesungenen Lied «Yuppi du», mit dem die vier Schauspieler zu Beginn auf die Bühne treten, heisst:

Now before me a cemetery do I see
Where all the arms of war are buried deep
And from the heavens descends a grand feast
Where all the nations of the world are united


«Die drei Musketiere» ist ein grosses Fest für grossartige Schauspieler, um die die Theaterwelt Basel zurecht beneiden kann. Und die leider wohl zum grossen Teil zusammen mit Theaterdirektor Andreas Beck nach München weiterziehen werden. An der Premiere war eine vergnügte Gruppe von «Freunden des Residenztheaters München» anwesend. Sie können sich wahrlich freuen.

Theater Basel: «Die drei Musketiere» von Antonio Latella nach dem gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas. Nächste Vorstellung am 6. Februar.

2 Gedanken zu “Yuppi Dumas: Vier Rampensäue für ein Halleluja

  1. Lieber Dominique

    Super, freut uns riesig. Die nächste Vorstellung ist allerdings bereits am 6. Februar, nicht erst im März.
    Magst Du das netterweise anpassen? wäre prima.

    Herzlich
    Ingrid

    Von meinem iPhone gesendet

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