Alles Kultur – oder was?

Was ist Kultur? Fast alles, wenn man aktuelle Medienmitteilungen durchblättert, die wir früher fast nie veröffentlicht haben.

Ich war diese Woche im Zürcher Schauspielhaus, in der Kaserne Basel, im Kunstmuseum, im kult.kino, habe ein Buch gelesen, gesungen und getrommelt. Soll niemand sagen, ich sei nicht kulturaffin.

Ich könnte noch vielmehr Kulturkonsum und -praxis aufzählen, denn der Kulturbegriff kann weit ausgelegt werden. Die Unesco, die Weltkulturerbe-Plaketten verteilt, richtet folgende Definition aus:

Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schliesst nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen. 

So gesehen verwundert es nicht, wenn wir im Newsletter des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes lesen:

Die traditionellen Schweizer Käsekulturen sind ein zentrales Element der Schweizer Käsekunst und werden damit für die Zukunft exklusiv gesichert.

Die exklusive Sicherung der Käsekunst erfolgt hier auf nationaler Ebene durch den Bundesrat und die Schweizer Käsebranche. Ein paar Stufen höher ist die Auszeichnung des «Umgangs mit der Lawinengefahr» als immaterielles Kulturerbe der Menschheit (das ist die Liste, auf der auch die Basler Fasnacht und neu auch Reggae aufgeführt sind). Der Bundesrat freut sich:

Die kollektiven Kenntnisse, Erfahrungen und Strategien zum Umgang mit dieser Naturgefahr bilden ein lebendiges Kulturerbe der alpinen Regionen, das ständig erneuert wird. 

Bemerkenswert ist, dass die Auszeichung in Mauritius verliehen wurde, wo Lawinen eher zu den marginalen Risiken gehören.

Diesen positiven Nachrichten müssen wir nun aber auch noch eine durchzogene anfügen. Obwohl fast alles Kultur ist, sind Künstler im Moment wenig gefragt. Die Kooperationsgruppe Fachkräftebedarf der Baselbieter Wirtschaftsförderung zeigt auf, dass in der der Region Basel der Bedarf an Künstlern marginal ist.

Auf einer Bedarfshitparade landet dieser Beruf unter der Rubrik «Geringster Mangel» an sechstletzter Stelle auf – zwischen Strassen- und Marktverkäufern sowie Kassierern. Gefragt sind in erster Linie Ärzte und Ingenieure.

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