Im Museum der hässlichen Clownerien

Martin Zimmermann dreht in seinem zeitgenössischen Zirkusspektakel «Eins Zwei Drei» in der Kaserne Basel das klassische Clown-Trio durch die Punk-Mangel.

Klassische Clowns durch die Punk-Mangel gedreht. (Foto: Augustin Repetez)

Ich gebe zu: Ich habe Zirkus-Clowns nie gemocht. Ich meine das klassische Trio mit dem besserwisserischen weissen Clown, dem dummen August mit der roten Nase und dem Störenfried als dritter im Bunde.

Aber bei Martin Zimmermann ist das natürlich ganz anders. Einst ist er mit zwei Partnern namens Metzger und de Perrot angetreten, um den Zirkus ganz gehörig und auf faszinierende Art umzukrempeln. Inzwischen ist der Zürcher als Impresario alleine für seine Programme verantwortlich und zum Weltstar geworden. So kann er als Spieler auch die Crème de la Crème der Szene verpflichten.

Und sie zugleich ganz gehörig verunstalten. Bei seiner aktuellen Produktion «Eins Zwei Drei» dreht er das klassische Clown-Trio durch die Punk-Mangel: Der weisse Clown (Tarek Halaby) wird zum zombieartigen Museumsdirektor, sein Diener August (Dimitri Jourde) ist ein Tanzhund im Faltenrock und Schlappohren und der Störenfried (Romeo Runa) ein sich verrenkender Ausbund an Hässlichkeit.

Bis das Museum zusammenbricht

Willkommen also im Museum der zeitgenössischen Clownkunst. Angeregt durch ein Gastengagement in der Fondation Beyeler, wo er sich offenbar aus dem strengen Regelkorsett kaum befreien konnte, lässt Zimmermann seine Clown nun aufs chaotische Ganze gehen, bis am Schluss alles in sich zusammenfällt.

Das hat seine faszinierenden Qualitäten, weil die drei Clowns tänzerisch und akrobatisch absolut versiert sind und eine mitreissende Lust zur Hässlichkeit zutage tragen. Und weil Zimmermann einmal mehr beweist, wie wunderbar er es schafft, die ganze Bühne in den chaotischen Taumel hineinreissen zu lassen. Dann die wunderbare musikalische Begleitung …

… doch dazu am Schluss mehr.

Jetzt aber kommt doch noch das Aber: Auch wenn Zimmermann  dem Abend mit der Museumswelt ein inhaltliches Gerüst gibt, schafft er Abend den Sprung raus aus der sinnbildlichen Manegen-Welt nicht ganz. Die Clowns bleiben letztlich in ihren Rollenklischees stecken, es kommt zu Wiederholungen, die anderthalb Stunden haben ihre Durchhänger.

Die Musik als Höhepunkt

So steht der Abend – auf hohem Niveau – knapp vor dem Scheitelpunkt zum Scheitern, wenn da nicht der kongeniale Musiker Colin Vallon wäre. Eigentlich sollte das Projekt «Eins Zwei Drei Vier» heissen, wo bei dem Pianisten, der zwischendurch auch mal das Schlagzeug malträtiert, die «Eins» zugesprochen gehörte.

Es ist grosse Klasse, wie Vallon mit filigranen Jazz-Improvisationen à la Keith Jarrett die chaotischen Umstände konterkariert, um dann immer wieder mit krassem Stakkato das Geschehen voranzutreiben.

Martin Zimmermann: «Eins Zwei Drei» im Rahmen des Schwerpunkts «Zirka Zirkus» in der Kaserne Basel. Weitere Vorstellungen am 30. November und 1. Dezember.

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