Tanz und Gloria

Mit „Gloria“ zeigt das Basler Ballett-Ensemble einen getanzten Bilderreigen des ewigen Kreislaufs von Aufstieg und Zusammenbruch – zusammen mit Direktor Richard Wherlock, der als trauriger Narr selber auf der Bühne präsent ist.

Dass das Basler Ballett zeitgenössischen Tanz auf überzeigende Weise mit Barockmusik in Einklang bringen kann, hat es mit Purcells „The Fairy Queen“ 2012 und Vivaldis „Juditha triumphans“ 2015 bereits bewiesen – zumal mit dem Orchester La Cetra unter der Leitung von Andrea Marcon jeweils eine wunderbare musikalische Begleitung zur Verfügung stand.

Mit „Gloria“ zu Kompositionen von Giovanni Battista Pergolesi und Antonio Vivaldi kam es nun erneut zur Zusammenarbeit des Balletts mit dem Vorzeige-Barockorchester – wiederum mit einem Resultat, das musikalisch und visuell sehr berührt. Die wunderbar gefühlvollen Gesangstimmen von Margriet Buchberger (Sopran) und Rachele Raggiotti (Mezzosopran) und des vierköpfigen Mini-Chors tragen das Ihre zum musikalischen Erlebnis bei.

Dieses Mal war das Resultat auf der Bühne aber kein Handlungsballett. Ballettdirektor Richard Wherlock und acht seiner Ensemblemitglieder zeigen vielmehr einen Bilderreigen des ewigen Kreislaufs von Aufstieg und Fall, von Auf- und Zusammenbruch. Und dies im wunderbar choreographierten Zusammenspiel mit riesigen Bauklötzen, die auf der Bühne im fliessenden Ablauf zu Türmen und Mauern zusammengebaut und wieder zum Einstürzen gebracht werden, die als Schutzwalle und Verstecke oder ab und zu auch als bewegte Sockel für getanzte Statuenbilder dienen.

Mitten drin in der gut zwei Dutzend Tänzerinnen und Tänzer umfassenden Schar tritt der Chef höchstselbst in Erscheinung – als mal trauriger, mal eleganter oder durchgeschüttelter Narr.

Das Besondere an der multiplen und doch als Einheit wahrzunehmenden Choreographie ist, dass sie die kleinen Geschichten von Aufstieg und Fall nicht nur inhaltlich wiedergibt, sondern davon auch formal geprägt ist. Wherlock begann mit der Arbeit unmittelbar vor dem Lockdown im Frühling 2020. Die damals verfügten Abstandsregeln beeinflussten die Arbeit im und mit dem Ensemble massgeblich. Tänzerinnen und Tänzer, die nicht in einem privaten Haushalt zusammenleben, mussten Abstand zueinander halten.

Dies wurde für den anderthalbstündigen Abend aufrechterhalten – auf ausgesprochen dynamische und inhaltlich überzeugende Art.

„Gloria“ ist ein wunderbarer getanzter Bilderbogen einer Gesellschaft, die sich durch die Krisen hindurch behaupten kann. Schade nur, dass der Abend bis am 20. Mai nur sechsmal gezeigt wird – zumal ihm pro Vorstellung ja nur 50 Zuschauerinnen und Zuschauer beiwohnen können.

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