Zur Eröffnung des Tanzhauses Basel dreht sich alles im Kreis

Der Choreograf Joachim Schlömer eröffnet das neue Tanzhaus Basel im ehemaligen Silotrakt der Mayonnaisen-Fabrik Thomi und Franck mit einem dynamischen Kreislauf um Zeit und Raum. Was, wenn nicht der Kreisel, taugt besser als Symbol für Dynamik und Vergänglichkeit? Zu Beginn des zweiten Teils der Tanztheater-Produktion «Rauschen» bringt einer der Tänzer auf der Bühne einen Kreisel zum Rotieren. Zuerst noch in Schräglage richtet dieser sich auf, … Zur Eröffnung des Tanzhauses Basel dreht sich alles im Kreis weiterlesen

Götterdämmerung im Grand Hotel

Eine «Touristenfalle» nennt Thom Luz seine neuste Arbeit, die in der Kaserne Basel ihre Uraufführung hatte. Es ist eine nostalgische Performance, die eine gute alte Glanzzeit eines mittlerweile in Trümmern liegenden Kurorts heraufbeschwört. Thom Luz bleibt auch bei der aktuellen, in der Kaserne Basel uraufgeführten Produktion «Tourist Trap» der grosse und dem Skurrilen verhaftete Geisterbeschwörer. Wie schon in früheren Produktionen breitet er eine Welt aus, … Götterdämmerung im Grand Hotel weiterlesen

„Verfluchter Reif! Furchtbarer Ring!“

Mit der „Götterdämmerung“ fand am Theater Basel Richard Wagners Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ ihren Abschluss. Es ist ein langer, aber keinesfalls langweiliger Abend, der mit einem berührenden und packenden Ende zu überzeugen vermag. „Zurück vom Ring!“ Das letzte Wort in Richard Wagners Monsterzyklus „Der Ring des Nibelungen“ hat der Intrigant und Bösewicht Hagen. Regisseur und Theaterdirektor Benedikt von Peter legt diesen verzweifelt mahnenden Ausruf … „Verfluchter Reif! Furchtbarer Ring!“ weiterlesen

„Siegfried“ im Puppenhaus

Nun folgte also „Siegfried“, der dritte Teil oder „zweite Tag“ von Richard Wagners monströsem Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“. Das Monströse hat Regisseur und Theaterdirektor Benedikt von Peter mit einer fast omnipräsenten Parade von riesigen Puppen wörtlich genommen. Was ganz unterhaltsam ist, aber die stimmigen Grundidee der brutalen Familienaufstellung etwas in den Hintergrund treten lässt. Sprechende Vögel und Drachen, böse Zwerge, ein verwandelter Riese, ein … „Siegfried“ im Puppenhaus weiterlesen

Der Mann, das lächerliche Wesen

Das Theater Basel zeigt Bertolt Brechts Anti-Kriegs und -Kapitalismus Parabel „Mann ist Mann“ in einer Inszenierung, die hinreissend-komische Momente hat, zwischendurch aber auch durchhängt. Bekannt ist das Szenario vom Mann, der aus dem Haus geht, um mal schnell Zigaretten zu holen und verschwindet. Mann weiss nicht, was geschieht. Bei Brechts „Mann ist Mann“ ist die Ausgangslage ähnlich: Der Packer Galy Gay verlässt sein trautes ärmliches … Der Mann, das lächerliche Wesen weiterlesen

Schön!

Die Fondation Beyeler bezaubert mit einer grossen Matisse-Ausstellung. Der chronologisch aufgebauten Ausstellungsparcours vermittelt einen stimmigen Überblick über die Entwicklungsstadien des grossen Meisters der Moderne vom Realisten zum Magier der Farben. Der Begriff „schön“ für ein Kunstwerk ist eigentlich unprofessionell. Aber bei einer Matisse-Ausstellung muss man dieses Wort benutzen. Es ist auch gar nicht oder zuminest kaum möglich, eine Matisse-Ausstellung anders zu präsentieren als ein schönes … Schön! weiterlesen

Christoph Marthalers böse Groteske der Auswegslosigkeit

Christoph Marthaler hat die Basler Theatersaison 2024/2025 mit einer absurd-komischen und bitterbösen Groteske über den Absturz desorientierter Menschen in den Schlund der extremen Rechte eröffnet. Das Premierenpublikum feierte die Produktion mit starkem Applaus. Es beginnt auf der Bühne des Basler Schauspielhauses wie so oft beim international gefeierten Theatermacher Marthaler mit inhaltlich schwer durchschaubaren Szenerien einer Gesellschaft zutiefst verlorener Menschenseelen. Ist es die familiäre Geburtstagsfeier des … Christoph Marthalers böse Groteske der Auswegslosigkeit weiterlesen

Da ist er jetzt: Sulzers „Zigeuner“-Roman

Nun ist er da, der Roman von Alain Claude Sulzer, der viele Monate vor seiner Veröffentlichung für so viel Aufregung gesorgt und zensurähnlichen Auswüchsen geführt hatte. Das Resultat ist eine feinsinnig geschriebene Freundschafts- und Künstlergeschichte, in der – gemäss der Zeit, in der die Geschichte beginnt–, ganz banal das Wort ZIGEUNER vorkommt. Die NZZ bringt es auf den Punkt: „Alain Claude Sulzers neues Buch ist … Da ist er jetzt: Sulzers „Zigeuner“-Roman weiterlesen

Der literarische „Zigeuner“-Stachel aus Liestal

Der Bericht der Geschäftsprüfungskommission bringt Erstaunliches ans Licht: Die Zensur-Posse um den Basler Autor Alain Claude Sulzer wurde nicht etwa in Basel-Stadt, sondern im Landkanton entzündet. „Der Konflikt zwischen der Abteilung Kultur und dem renommierten Basler Autoren Alain Claude Sulzer betreffend sein Gesuch für einen Werkbeitrag für sein neues Buch sorgte in den deutschsprachigen Medien für grosse Aufmerksamkeit.“ Dieser Satz findet sich im Jahresbericht der … Der literarische „Zigeuner“-Stachel aus Liestal weiterlesen

Der Wolf steppt und deklamiert

Die belgische Regisseurin Lies Pauwels versucht sich an einer Dramatisierung von Hermann Hesses sperrigem Roman „Der Steppenwolf“. Auf der Schauspielhausbühne agiert wacker ein herausragendes Schauspieler-Ensemble, das es aber letztlich nicht schafft, aus einer deklamatorischen Endlosschlaufe heraus einen wirklich berührenden Theaterabend zu schaffen. Die Bühne ist ein Ballsaal mit Séparées, wie man sie in einem Bordell antreffen könnte. Kenner der hundert Jahre alten Romanvorlage finden sich … Der Wolf steppt und deklamiert weiterlesen