Boom-Boom oder ein Antitheater über das verkorkste Partyleben

Knapp anderthalb Stunden einem nahezu nichtigen Geschehen auf der Bühne beiwohnen: Wirklich spannend ist das nicht, aber durchaus erhellend. Auf der Bühne stehen drei verlorene junge Menschen herum. Sie sind Protototypen der Uncoolness, die etwas vorhaben, was ihnen aber nicht gelingt. Neben ihnen ist nämlich eine mächtige Party-Box aufgebaut, aus der das zwerchfellerschütternde Boom-Boom eines Techno-Acts alle Versuche, ein Stück oder eine Erzählung zu beginnen, … Boom-Boom oder ein Antitheater über das verkorkste Partyleben weiterlesen

Vibrationshilfen für eine versteinerte Welt

Die britische Regisseurin Jaz Woodcock-Steward zerdehnt im Basler Schauspielhaus das psychologische Kammerdrama «Die Glasmenagerie» zu einer dreistündigen Tragödie. Nach drei Stunden bleibt ein schales Gefühl zurück. Denn mit den von Antoinette Ullrich und Jan Bluthardt herausragend dargestellten Figuren des Geschwisterpaars Laura und Tom hätte einiges mehr dringelegen. Leider wurden ihre Auftritte immer wieder von schwer nachvollziehbaren Regieeinfällen und Hängepartien durchbrochen. Nicht, dass man sich bei … Vibrationshilfen für eine versteinerte Welt weiterlesen

Hampeln, fallen, kriechen, krächzen

Der Tanzabend „Der Fall“ von einstündiger Spieldauer wartet mit einer Pause auf. Das Warum erschliesst sich nicht, ausser man will dem Publikum ermöglichen, das Theater nach einer halben Stunde wieder zu verlassen. Ich hab mich nach der Pause wieder an meinen Platz gesetzt. Dies in der Hoffnung, dass ich und alle anderen im Zuschauerraum der Kleinen Bühne nach einer langen halben Stunde mit Hampeln, Fallen, … Hampeln, fallen, kriechen, krächzen weiterlesen

Christoph Marthaler führt selbst Beethoven auf die skurrile Bahn

Christoph Marthaler inszenierte am Theater Basel eine Beethoviade. Oder ist es eher eine Marthaleriade zu Beethoven? Egal. Das Musiktheater mit dem Titel «Tiefer Graben 8» ist ein sehenswerter Abend, durchwirkt mit wundervoller Musik. Er habe wieder einmal ein Musiktheaterprojekt machen wollen und keine Oper, sagte Marthaler in einem Podcast des Theater Basel. Also erteilte ihm das Dreispartenhaus eine Carte blanche, die er zusammen mit dem … Christoph Marthaler führt selbst Beethoven auf die skurrile Bahn weiterlesen

Fulminante Reise durch ein bedrückendes Armutsschicksal

Lukas Bärfuss hat seinen jüngsten Roman „Die Krume Brot“ zu einer Parabel über eine Armutskarriere adaptiert. Das fulminant aufspielende Ensemble schmeisst sich in der Inszenierung von Antú Romero Nunes voller Leidenschaft und Spielfreude in ein schwindelerregendes inhaltliches und stilistisches Potpourri, das von klamaukhaften Nummerabfolgen bis zum berührenden Porträt einer Verliererfigur in unserer Gesellschaft reicht. Das Ganze beginnt in der im Roman, zumindest im ersten Teil … Fulminante Reise durch ein bedrückendes Armutsschicksal weiterlesen

„Die Bühne ist wie ein Vergrösserungsglas“

Der Theater- und Romanautor Lukas Bärfuss hat zum ersten Mal aus einem seiner Prosawerke eine Bühnenfassung gemacht. Sein Roman „Die Krume Brot“ kommt am Theater Basel auf die Bühne. Premiere ist am Freitag, 13. Dezember. Lukas Bärfuss ist Feuer und Flamme für das Projekt. „Es ist eine sehr, sehr, sehr schöne Erfahrung“, sagte er wenige Tage vor der Premiere, die auch Uraufführung ist, im Gespräch … „Die Bühne ist wie ein Vergrösserungsglas“ weiterlesen

Zora del Buonos Vater und sein „Töter“

Zora del Buono ist für ihren Roman „Seinetwegen“ mit dem Schweizer Buchpreis 2024 geehrt worden. Es ist nicht die erste und soll auch nicht die letzte literarische Recherche zu ihrer Familiengeschichte sein, wie sie am Sonntag im Gespräch sagte. Zora del Buono, bei Ihrer kurzen Rede nach der Bekanntgabe, dass Sie den Buchpreis erhalten, wirkte Sie sehr gefasst. Ist das Ihr Naturell oder haben Sie … Zora del Buonos Vater und sein „Töter“ weiterlesen

Im Märchenwald der verwunschenen Lüste

„Es war einmal“: Auch in Stephen Sondheims Musical „Into the Woods“ beginnt es mit diesen Worten, wie es bei Märchen immer der Fall ist. Nur dass bei diesem im Theater Basel aufgeführten fetzigen Farytail-Potpurri die Schluss-Sequenz mit dem „langen und glücklichen Leben“ ausbleibt. „Ito the Woods“. In diesem Märchenwald ist was los. Und wie! Rotkäppchen trifft auf den unglücklich kinderlosen Bäcker, der auf ihren blutroten … Im Märchenwald der verwunschenen Lüste weiterlesen

Eine reizend humorvolle Gruselgeschichte

Die Basler Compagnie stülpt Christian Andersens düsteres Märchen „Die Schneekönigin“ auf die Kehrseite um. Mit reizenden Einfällen, viel groteskem Humor und wundervoller Musik. Es beginnt mit einer Gruselgeschichte. Nur kommt sie dann gar nicht so gruselig daher. Oder zumindest fast nicht. Aber beginnen wir von vorne: Sechs seltsame Gestalten in übergrossen Strampelhosen und glitzernden Hauben versammeln sich um ein Lagerfeuer. „Was machen wir?“, fragt eine. … Eine reizend humorvolle Gruselgeschichte weiterlesen

Es grünt so grün auf dem roten Planeten

Der französische Theatermacher Philippe Quesne hält es nicht auf der Erde: Führte er das Basler Theaterpublikum 2021 noch in die unendliche Weiten der depressiven Asteroiden, zielte die Reise nun in seiner jüngsten Produktion im Schauspielhaus in den Mars-Untergang – frei nach Ray Bradburys Erzählband „Mars-Chroniken“. Konsequent ist kaum etwas in dieser Inszenierung, die den Titel „Chroniken vom Mars“ trägt. Regisseur und Ausstatter Philippe Quesne mäandriert … Es grünt so grün auf dem roten Planeten weiterlesen