Die Musical-Uraufführung „Grand Finale“ am Theater Basel wartet mit einer abstrusen Story sowie einem etwas arg auf Gefälligkeit getrimmten Soundteppich auf, ist aber so gut produziert und gespielt, dass sie dennoch viel Spass bereitet.

Wo soll man bei dieser abstrusen Geschichte des „Grand Finale“ beginnen? Am besten wirklich beim Beginn, der ein grosser Paukenschlag ist und musikalisch auch zu einem solchen hinfürt. Es beginnt mit einem Jazz-Trio, das sich mit der Zeit mit Bläsern und Streichern zum grossen Musical-Schwall auftürmt. Und es fängt an mit dem grossen inhaltlichen Paukenschlag, wenn die betrunkene Diva Eliza Castafiore (Elissa Huber und Stuntdouble Julia Menz) die Showtreppe hinunter bis hinein in den Orchestergraben fällt und stirbt und sodann den Rest des Abend als Geist verbringen muss.
Eliza landet als Leiche und als Geist beim Bestatter Giulio (Stefan Kurt), der früher Maskenbildner beim Theater war und die Diva einst innigst bewundert hatte. Er hört die Stimme des Geistes, die eine fulminante Beerdigung einfordert mit einem Modell des Taj Mahals und Elefanten (die dann am Schluss tatsächlich vom Bühnenhimmel herunterschweben). Der vom Gerichtsvollzieher heimgesuchte und schwer verschuldete Bestatter hört die Stimme des Geistes, was ihn zunächst am eigenen Geisteszustand zweifeln lässt.
Ein strubes Inhalts-Potpourri
Soweit so gut für eine tragikomische Geisterstory, könnte man meinen. Aber Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl, der sich die Geschichte ausgedacht hat und mit Texten von Jan Dvořák und der Musik von Christoph Israel in Windeseile ein Musical aus dem Boden gestampft hat, belässt es nicht dabei. Er fügt noch mehrere zusätzliche Inhaltsebenen hinzu: die rührend-sentimentale Geschichte eines Unfallopfers (Pasquale Aleardi), der sich posthum als Vater einer Tochter (Yasmin Yüksel) outen will, die wundersame Wandlung eines Jugendstraftäters (Camillo Guthmann), der sich als Bestattungs-Praktikanten zum Gutmenschen wandelt, und das Schicksal des Stadttheaters mit der dauernd alkoholisierten Intendantin (Carina Braunschmidt), das von einer Staubsauger-Firma aufgekauft wurde und der populistische Bürgermeister (Klaus Brömmelmeier) schliessen möchte.
Genau so wie diese wild zusammengemischte Story kommt auch die Musik daher. Christoph Israel hat sich hemmungslos im Musical-Kanon bedient, bei Leonard Bernstein, Stephen Sondheim, Frederick Loewe und Kurt Weill und ein revueartiges Potpurri geschaffen, das vom „Jazzorchester ‚Grand Finale'“ unter der Leitung von Thomas Wise freudig-beherzt gespielt wird.
Herausragendes Ensemble
Dass diese strube, zwischen Sentimentalität und Albernheit mäandrierenden und mit einer Spieldauer von fast drei Stunden dauernde Geschichte dennoch Spass bereitet, liegt an der akkuraten Personenführung von Regisseur Stölzl, der zusammen mit dem technischen Direktor des Theaters, Peter Krottenthaler, eine Szenerie geschaffen, das mit zwei parallelen Drehbühnen kaleidoskopartig beinahe schon ein Eigenleben entwickelt. Und es liegt am herausragenden Ensemble, unter anderem am Sopran Elissa Huber als Eliza Castafiore (der man unter dem Strich etwas mehr Songs gegönnt hätte), am stepptanzenden Praktikanten Camillo Guthmann, an Klaus Brömmelmeiers Rollen-Reigen als schmierig-böser Bürgermeister, Gerichtsvollzieher und Psychiater. Und allen voran an Stefan Kurt, dessen begeisternde Bühnenpräsenz ihresgleichen sucht.
Das Premierenpublikum bedachte die Aufführung mit lange andauernden Standing Ovations.

Aloha Dominique
danke für die interessante rezension. ich glaube, hier hat sich ein dreckfuhler eingeschlichen: mit vyle griess,
thierry
___ natel: 079 266 1912 blog: moosbrugger.me buch: 50xbesserstreiten.ch mail: thierry@moosbrugger.me ___ Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt. – Toni Polster(über seinen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach)
___ Originaltext: vom Sonntag, 2. November 2025 um 12:17
LikeLike