Festliche Stimmung im Zirkus Drummeli

Das Drummeli 2026 überzeugt mit einfallsreichen Cliquenauftritten und zwei grossen Schnitzelbängg.

„Gniessischs au, wenn s Drummeli aafoht“, singt das Ensemble im Prolog in wunderbarer Manier eines Madrigals, um dann kurz darauf hinuzufügen: „Lyydisch au, wenn de vier Stunde sitze muesch, freusch di au, wenn s Drummeli denn emool fertig isch?“

Damit wird gleich zu Beginn auf die Kritik aus dem vergangenen Jahr eingegangen, dass das Drummeli viel zu lange daure. Ein ziemlich langer Abend ist es geblieben, wenn auch nicht einer von vier Stunden. Und es ist ein unter dem Strich kurzweiliger Abend, was an der zum Teil begeisternden Kreativität der Stammcliquen, dem Mut einer der Guggenmusiken und den grandiosen Schnitzelbangg-Vorträgen liegt. Und nicht zuletzt an der Zurückhaltung bei den Raamenstiggli, die in diesem Jahr weniger auf witzige Pointen, sondern auch auf nachdenkliche Nummern setzen.

Als erste Clique setzten die Schnuurebegge ein Zeichen für die neue Kürze: Liest man im Programm mit Schrecken, dass da die doch ziemlich länglichen Basler Festspielmärsche gegeben werden, stellt man mit beruhigender Überraschung fest, dass die Trommler und Pfeifer gleich nach wenigen Versen wieder abziehen. Eine originelle Idee. Mit etwas Erstaunen ist auch festzustellen, dass die Alti Richtig ihren schön gestalteten Auftritt zum 100-Jahr-Jubiläum ohne grosses Tamtam und in in alten Zugskostümen, aber mit einer schön getrommelten und gepfiffenen Regimentstochter und selbstironischen Kommentaren auf Plakaten absolviert.

Für die szenisch kreativen Höhepunkte sorgten unter anderem die Alte Stainlemer, die nicht nur den 100. Geburtstag ihrer Jungen Garde feierte – mit grandios vorgetragenen Rap-Einlagen – sondern auch noch zusammen mit der ebenfalls hundertjährigen Ur-Gugge Jeisi Migger einen herrlich verjazzten Glopfgaischt intonierte. Wunderbar auch der Auftritt der Breo Clique, die zusammen mit der Brassband Blächschaade mit der Titelmelodie zum grandiosen Trickfilm „Les Tripplettes de Belleville“ (hier de Bâleville) zum Velorennen aufspielte. Erwähnenswert ist auch der nachdenkliche Auftritt der Sans Gêne, die mit dem Luuser ein musikalisch schön arrangierter Ausbruchsversuch aus einer traurigen Endzeitstimmung ins Arenarund brachten.

Von Rennen zu Disco und Rock

Um Rennen unterschiedlicher Art ging es bei weiteren Cliquenauftritten: Die Schnooggekerzli präsentieren mit einem im Tempo variierenden Saggodo ihre Version des Basler Stadtlaufs, die Glunggi luden mit den Brite 79 zum edlen Pferderennen in Ascot, die BMG jagten mit dem San Carlo Seifenkisten ins Rund und die VKB inszenierten ein römisches Wagenrennen, während die Verschnuufer mit dem Ohremyggeli ihre eigenen Runden drehten. Kein Rennen im eigentlichen Sinn präsentierten die Junteressli, die aber die originelle Idee umsetzten, dass für einmal ein paar wenige Trommler und Pfeiferinnen von mehreren Dutzend Tambourmajoren angeführt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag bei Disco, Pop und Rock. Die Pfluderi-Clique musizierte sich quer durch die grossen Hits der Rocklegende Queen mit einer Parade von Freddy Mercury-Figuren in seinen unvergesslichen Outfits. Der Dupf-Club liess seine Peifer (noch immer ohne -innen) ein Disco-Medley absolvieren, während die Tambouren zum struben Rollschuh-Ballett antanzten. Ist das noch ein bisschen Pop? Die Basler Dybli spielten zum Hudigägeler „Echo vom Claraplatz“ auf, die Guggemuusig Messingkopf gaben bayerischer Schunkel-Pop, während es bei den Chriesibuebe eh immer rockt. Ihre „Reraite Diable“ ist eine Wucht (die einen Trommler wie mich in arge Selbstzweifel stürzt).

Während Ivan Kyms Buebe für einmal einen Marsch spielten, der nicht aus der Feder des Meisters stammte (sondern von Hans Haelfelfinger), mussten sich die Gundeli durch eine mit einer Pfeifermelodie ergänzte Kym-Komposition quälen, was ihnen technisch gut gelang. Aber das „Gundol-Ding“ wird wohl eine Eintagsfliege bleiben, wobei wir schon fast bei den Schnitzelbängg wären.

So gut kann Guggemuusig sein

Aber noch ein paar Worte zum Auftritt der Gugge Pumperniggel. Sie hatte den Mut, nicht mit einem Gassenhauer oder Volkslied-Scheiaweia aufzuwarten, sondern mit dem düsteren Falco-Song „Out of the Dark“. Das wurde zu einem der Höhepunkten des Abends – man wünschte sich, dass mehr Guggemuusige sich auch mal auf solche (tolle) Experimente einlassen würden.

Und wenn wir bei den Höhepunkten des Abends sind: Die beiden Schnitzelbängg Spootschicht Rhygass und mehr noch die Dreydaagesfliege präsentierten sich in grandioser Vers-Form. Mehr sei hier nicht verraten.

Bleibt das Raame-Ensemble. Es ist musikalisch und schauspielerisch auf der Höhe und kann sowohl im Witz, als auch im Ernst gross aufspielen. Witzig und höchst originell in der Pointe ist die Nummer zum Louvre-Raub mit Verbindung zum Frühfranzösisch. Zum Nachdenken regt die weitere Szene an, wenn die Mächtigen und Jungen in der Wirtschaftswelt einen altgedienten Buchhalter gnadenlos abservieren.

Das Fazit: Das Drummeli ist für mich persönlich der Höhepunkt der Vorfasnachtssaison. Und: Anders als für andere Veranstaltungen dieser Art sind noch Tickets zu haben.

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Nun gut, ich hab nicht alle Veranstaltungen gesehen und besprochen. Aber diese hier:

S Charivari

S Pfyfferli

Der Rest ist Fasnacht.

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