Spanisches Gute-Laune-Musikfest am Theater Basel

Regisseur Christof Loy will die urspanische Musiktheater-Gattung Zarzuela über die Pyrenäen hinaus etablieren. Am Theater Basel fand seine Mission mit «El barberillo de Lavapés» von Francisco Asenjo Barbieri ihren Anfang.

Was ist eine Zarzuela? Wer danach googelt bekommt zuoberst eine «Spanische Fischsuppe» als Resultat. Wir sind nun aber im Theater, also ist hier von «einer typisch spanischen Gattung des Musiktheaters» die richtige Antwort. Zarzuela ist ein Teil der Klanglinchen Identität Spaniens, liest man im Programmheft. In Madrid existiert ein ehrwürdiges Teatro de la Zarzuela, das sich gänzlich dieser Gattung verschrieben hat.

Wie will man nun diese Gattung umschreiben? Das Theater Basel spricht von «Operette». Regisseur Christof Loy, der zuletzt mit seiner Inszenierung von Puccinis «Turandot» am Theater Basel für Begeisterung gesorgt hatte, präzisiert: In einer Einführungsansprache am Premierenabend des offenbar populärsten Titels dieses Genres, dass Zarzuela «näher dran sein an dem, was wir als Oper kennen».

Angesichts dessen, was nun auf der Grossen Bühne des Theater Basel zu erleben ist, dürfte Operette die stimmigere Bezeichnung sein. Wie in der deutschen oder französischen Operette wechseln gesungene Nummern und gesprochene Dialoge einander ab, wobei letztere von einem Gitarrenspieler (Marcelino Echeverría) auf der Bühne zurückhaltend begleitet werden.

Der lebenslustige kleine Barbier

Titelfigur ist der Barberillo (der kleine Barbier) Lamparilla, der auf charmant-kesse Art das Herz der ausgesprochen selbstbewussten Schneiderin Paloma erobern will – und es letztlich auch schafft. Und der so ganz nebenbei die von der Marquesita del Bierzo mit angezettelte Verschwörung gegen den verhassten Premierminister zum Durchbruch verhilft. Die Marquesita wiederum hat mit einem eifersüchtigen Liebhaber zu kämpfen – für quirlige Betriebsamkeit ist also gesorgt.

Beim Begriff Barbier klingelt es natürlich in den Ohren der Liebhaberinnen und Lieber des Musiktheaters. Mozart hat einem in seiner Opera buffa «Le nozze di Figaro» die Ehre erwiesen, Rossini doppelte im «Barbier von Sevilla» nach. Dass der Komponist Barbiere zumindest von Rossinis Barbier angetan gewesen sein musste, ist nicht zu überhören.

Barbieris Musik und das Libretto von Luis Mariano de Larra setzen in erster Linie auf den Gute-Laune-Faktor. Mit vielen Wiederholungen, mit einigen lyrischen Passagen und vor allem schmissigen spanischen Flamenco- respektive Jota- und Sevillana-Rhythmen bohrt sich die Partitur ohrwurmartig in die Köpfe des Publikums. Auf der Bühne wird  auch viel getanzt, wozu mehrere Festszenen ausgiebig Gelegenheit bieten.

Ansteckende Heiterkeit

Entsprechend heiter gebärdet sich das Ensemble auf der Bühne. Es ist eine Heiterkeit, die sich auf das Premierenpublikum übertrug, das wiederholt Szenenapplaus spendete, gleich zweimal ein Da capo einforderte und sich zum Schluss mitsamt dem anwesenden Botschafter Spaniens in der Schweiz zu Standing Ovations von den Sitzen erhob.

Daniel Oller als Barberillo Lamparilla und Carmen Artaza überzeugen in ihren Gesangspartien ebenso wie in den gesprochenen Dialogszenen. Das gilt auch für das zweite Paar mit Cristina Toledo und Santiago Sánchez sowie den beherzt auftretenden Chor, der nur in den ganz temporeichen Passagen etwas Abstimmungsschwierigkeiten offenbart. Am Dirigentenpult treibt der spanische Zarzuela-Spezialist José Miguel Pérez-Sierra das Sinfonieorchester Basel zu einem musikalischen Feuerwerk an.

Christof Loy zeigt in seiner Mission als Botschafter für die Zarzuela viel Respekt für die Vorlage und ihre Provenienz. Die Inszenierung hält sich minutiös an die vorgegebene Handlung, ohne diese ironisch über ein zurückhaltendes Mass hinaus zu brechen. Sie zeigt ihre Qualitäten in der Personenführung und im Arrangement stimmiger Szenenbilder. Als Zuschauerin, als Zuschauer verlässt man das Theater gut gelaunt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Der Text erschien am 28. September in der „bz Basel“

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