Christoph Marthaler inszenierte am Theater Basel eine Beethoviade. Oder ist es eher eine Marthaleriade zu Beethoven? Egal. Das Musiktheater mit dem Titel «Tiefer Graben 8» ist ein sehenswerter Abend, durchwirkt mit wundervoller Musik.

Er habe wieder einmal ein Musiktheaterprojekt machen wollen und keine Oper, sagte Marthaler in einem Podcast des Theater Basel. Also erteilte ihm das Dreispartenhaus eine Carte blanche, die er zusammen mit dem Komponisten Johannes Harneit, dem Dramaturgen Malte Ubenauf und dem Dirigenten Sylvain Cambreling mit musikalischer Farbe füllte: eben mit Beethoven.
Wir sind bei Christoph Marthaler respektive seiner Ausstatterin Anna Viebrock. Und es wird schnell klar: Wo Marthaler und Viebrock draufsteht, sind Marthaler und Viebrock drin. Zumal auch die Stammbesetzung unter anderem mit Ueli Jäggi, Raphael Clamer, Martin Hug, Bendix Dethleffsen und Nikola Weisse klar darauf hinweist.
Das ist erst einmal erstaunlich, denn Beethoven ist nun mal alles andere als skurril und schräg. Seine epochale Musik ist schön, pathetisch oder «tröstlich», wie es das Theater im Programmheft schreibt. So wie in seiner berühmten Messe «Missa solemnis», die – vom Sinfonieorchester Basel sowie dem Theaterchor wunderbar interpretiert – eine musikalische Hauptpartie innehat. Oder das nicht minder bekannte Violinkonzert op. 61 – ein Wunschkonzert-Stück erster Güte. Letzteres wird allerdings nicht auf Instrumenten gespielt, sondern von der glockenreinen Sopranstimme Kerstin Avemo gesungen.
Wie stets bei Marthaler werden die melancholischen Niederungen mit tröstlichen Gesangsmomenten durchbrochen. Diese sind bei der Sopranistin Kerstin Avemo, dem Bariton Andrew Murphy und dem Tenor Lulama Taifasi bestens aufgehoben.
«Tiefer Graben 8» ist ein skurriles Panoptikum von Absurditäten, das von der Musik zusammengehalten wird. Wer Marthaler mag, wer sich darauf einlässt, der kann sich an einem überaus originellen wie sehenswerten Abend erfreuen.
